Positive Psychologie – Positive Leadership

Positive Psychologie

Die positive Psychologie versucht bewusst, die Stärken zu fördern ohne die (wesentlichen) Schwächen auszublenden. Die positive Psychologie darf jedoch nicht mit reinem positiven Denken verwechselt werden.

 

Was ist der Unterschied zwischen positiven Denken und positiver Psychologie?

Sowohl in der positiven Psychologie als auch beim positiven Denken wird davon ausgegangen, dass positive Emotionen und Optimismus wichtige Faktoren sind. Die Positive Psychologie (PP) ist ein Forschungsgebiet der wissenschaftlichen Psychologie – genauer die Wissenschaft vom gelingenden Leben („the science of what goes right in life“), und basiert auf empirischer Forschung. Stattdessen kommt  positives Denken aus der amerikanischen self-help-Bewegung, und lässt sich als praktische Selbsthilfe (ohne wissenschaftlichen Anspruch und Hintergrund) bezeichnen. Das positive Denken blendet die Schwächen und negativen Aspekte aus und negiert diese manchmal komplett.

Die positive Psychologie basiert auf empirischen und evidenzbasierten Erkenntnissen, und versucht diese den zugänglich zu machen.

 

Perspektive der traditionellen Wissenschaft

Die Wissenschaften im Allgemeinen und die Psychologie im Speziellen beschäftigen sich zu ca. 95 %  mit der Untersuchung von menschlichen Defiziten. Es gibt daher eine Reihe von Tests und Untersuchungen, welche diese Defizite analysieren und diagnostizieren können. Die konkrete Diagnose erfolgt anhand von klinischen Standards wie dem ICD-10 oder dem DSM-IV. In anderen Worten könnte man sagen, man erhält eine Defizitdiagnose. Wenn man dies in einer Grafik darstellt, reicht diese von – 10 (sehr starkes Defizit) bis zu 0 (kein Defizit). Die gleiche Perspektive gibt es ebenso in der Medizin oder im ArbeitnehmerInnenschutz. In der Medizin wird auch das ICD-10 verwendet, und ein Patient ist meistens über das Ergebnis „ohne Befund“ recht glücklich. Eigentlich müsste es heißen „ohne negativen Befund“. Auch im ArbeitnehmerInnen-Schutzgesetz (ASchG) ist von der Reduktion von „psychischen Belastungen, die zu Fehlbeanspruchungen führen“ die Rede. Vereinfacht gesagt, geht es beim AschG um die Minimierung bzw. im Idealfall um die Eliminierung von stressauslösenden Faktoren / negativen Stress.  Die dahinterstehende Logik ist in den beschriebenen Fällen, jene der Leidminderung und Heilung.

 

Perspektive der positiven Psychologie

Die positive Psychologie versteht sich nicht als Gegenbewegung zur „klassischen“ Psychologie, sondern vielmehr als Ergänzung. Im der oben beschrieben Bewertungslogik ist die Abwesenheit von Krankheit oder Stressfaktoren im Grunde genommen ein gutes Zeichen und okay. Oder vielmehr: In einer Bewertungsskala von  „-10“ bis „0“ ist „0“, also die Abwesenheit von negativen Symptomen super.

Aufblühen mit dem PERMA-Modell

Das PERMA-Modell wurde von Martin Seligmann entwickelt, und ist die Abkürzung für

  • P       Positive Emotions
  • E       Engagement
  • R       Relationships
  • M      Meaning
  • A       Accompolishment.
Positive Emotions (Positive Emotionen)

Das Ausbleiben von negativen Emotionen und Gefühlen ist zwar hilfreich, jedoch noch nicht ausreichend um ein glückliches Leben zu führen. Das regelmäßige Erleben positiver Emotionen wie Zufriedenheit, Dankbarkeit, Genuss oder Zuneigung ist ein wichtiger Faktor für das Wohlbefinden.

Engagement (Flow-Erleben)

Wenn Menschen in ihrer Tätigkeit aufgehen, sich für etwas  - wie von selbst- engagieren, spricht man vom „Flow-Erleben“. Dieser Begriff geht auf den Psychologen Mihály Csíkszentmihályi zurück, und beschreibt das Gefühl eines „In-der-Tätigkeit-Aufblühens“. Der Flow entsteht meist bei der Bewältigung von Aufgaben, welche hinsichtlich der eigenen Kompetenzen und der zeitlichen Anforderungen im Bereich zwischen Unterforderungen und Überforderungen liegen. Das „Flow-Erleben“ lässt uns aufblühen und erhöht bedeutend unsere Lebenszufriedenheit. Daher sollten Aufgaben entsprechend der Kompetenzen gefunden werden, die weder über- noch unterfordern.

Relationships (Soziale Beziehungen)

Soziale Interaktion mit anderen ist ein wichtiger Bestandteil für das alltägliche Wohlbefinden. Ein Sprichwort aus dem klinischen Bereich lautet: „Einsamkeit macht depressiv“, und zeigt auf, dass soziale Beziehungen für ein gesundes Leben Grundvoraussetzung sind. Soziale Interaktionen und darauf aufbauende soziale Beziehungen können in der Familie, in Freundschaften, in Gruppen, in Netzwerken oder in Team stattfinden. Wichtig ist vorerst, dass diese stattfinden, und erst in zweiter Linie in welcher (positiven) Art und Weise. Empathisches Handeln, der Resilienzfaktor Netzwerkorientierung, aktiv konstruktiver Reaktionsstil (ACR), authentisches Feedback oder auch kooperative Teamarbeit auf Augenhöhe sind Begriffe, die ebenso zum PERMA-Faktor Relationships dazu gehören.

Meaning (Sinn erkennen und erleben)

Der vierte Faktor des PERMA-Modells bezieht sich auf das Erkennen und Erleben von Sinn. Das PERMA-Modell lässt sich gut mit dem „Job-Charakteristics-Modell“ von Hackman und Oldman (1984) verknüpfen. Dabei wird davon ausgegangen, dass das Motivationspotenzial vom Sinnerleben (also der erlebten Bedeutsamkeit), dem Handlungsspielraum und dem Feedback abhängig ist. Das Sinnerleben umfasst die Dimensionen:

  • Anforderungsvielfalt (skill variety): Vielzahl verschiedener Aktivitäten, welche verschiedene Fähigkeiten und Kompetenzen erfordert.
  • Ganzheitlichkeit der Aufgabe (task identity): Identifizierbarkeit des eigenen Beitrags zum Gelingen eines (Teil)Projekts oder einer gemeinsamen Aufgabe.
  • Bedeutung der Aufgabe (task significance): Ausmaß, in dem die Tätigkeit einen beträchtlichen Einfluss auf das Leben anderer hat.

In diesem Zusammenhang ist zu erwähnen, dass die drei Dimensionen des Sinnerlebens summativ aufeinander wirken. Anders formuliert: Wenn die Anforderungsvielfalt niedrig ist kann dies durch hohe Bedeutung der Aufgabe ausgeglichen werden.

Accomplishment (Vollendung)

Der fünfte PERMA-Faktor Accomplishment bezieht sich nicht in erster Line auf das Ergebnis eines Prozesses (z.B. Punkte bei einem Test), sondern vielmehr auf den Prozess selbst („ich bin beim Test angetreten“ oder „ich habe mich getraut, beim Test anzutreten“). Man könnte auch sagen, es geht darum sich des „Weg dorthin“ bewusst zu werden, und die Zielerreichung auch zu zelebrieren, und nicht nur um den „Outcome“.

In anderen Worten: Wenn man eine Aufgabe, ein Projekt geschafft, darf man dies auch feiern – bedingungslos! Nicht nur, wenn dies „sehr gut“ erledigt wurde.

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